4
Feb
2006

Seltene Jubiläen

Heute vor 723 Jahren wurde das Gackern als Ausdruck menschlichen Amüsements erfunden. Mein Opa der dabei war und heutzutage als Experte für Gackerkatastrophen gelegentlich dem TV zur Verfügung steht, erinnert sich gerne.

Es geschah auf Kaiser Barbarossas Hühnerhof, als die damalige mondäne Welt sich frug, warum um des Himmels Willen nicht auch der Mensch gackern solle und so seinem Vergnügen, seiner Lebensfreude Ausdruck verleihen?

Gesagt getan, wurde in einem feierlichen Akt der 4. Februar zum Gedenktag des Gackerns erkoren, was jedoch leider nur wenigen Eingeweihten zur Kenntnis kam und daher wird diesem Festtag allgemein bedauerlicherweise nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Ode an Betty Boob

Es gibt nichts Schlimmeres als zum Behufe des Zeitvertreibs alleine aufs Fernseh angewiesen zu sein. Sofort sterben ist da die eindeutig bessere Lösung.

13
Jan
2006

Klein schreiben

Sie half mir soweit es ihr möglich war und blieb mir stets wohlgesonnen. Ermahnte mich Selbstgedachtes zu schreiben. Mit diesem Satz im Bewusstsein, frage ich mich, was wäre würde jeder eigene, originäre Gedanken denken. Wäre das das Ende aller Macht und der Herrschaft einzelner über viele? Sowohl im Grossen als auch im Kleinen?

Vermutlich hülfe es bereits, würde man Anderer Worte erst übernehmen, wenn man erkennt was sie wirklich bedeuten.

Die Mauer am Ende der Einbahnstrasse

Das wirklich Wichtige sollte man ernst nehmen, stets im Auge behalten, jedoch vermeiden es allzusehr in den Vordergrund zu stellen.

12
Jan
2006

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

(Ohne Mädels -- nur Karl und Heinz)

Heinz der Geiger sprach betrübt,
Kein Aas da, das mich heut' liebt.

Da naht Karl mit seiner Flöte,
die noch feucht von Fräulein Grete.

Will nicht ruhen, will nicht rasten,
versenkt sie in des Geigers Kasten.


...

Wird evtl. fortgesetzt. Bleiben Sie daher dran, bis es wieder heisst:

Ach wie gut, dass niemand weiss,
dass ich Heinzchen Rumpel stiess.

Lied der Nacht

(Ghost) Riders In The Sky - Johnny Cash (Gott hab' ihn selig), iTunes Summerhits Playlist.

Neulich in Oxford auf dem Campus

A: Excuse me, could you tell me where the library is at?
B: In Oxford, we don't end our sentences with prepositions!
A: Excuse me, could you tell me where the library is at, asshole?

11
Jan
2006

Mit Knäckebrot auf Hochzeitsreise

Wer macht schon gerne Steuererklärungen oder füllt Anträge auf Arbeitslosengeld I oder II aus? In der Hölle wird man nicht gebraten, sondern gezwungen dauernd Anträge zu stellen, neuerdings auch mit schrottiger Software zum Ausfüllen am Computer.

Es sind vor allem die einfachen Dinge, die das Leben leicht und schön machen. Daumenlutschen, Sack kratzen, an den Fingernägeln kauen, in der Nase bohren und zwei harte Popel gegen einen weichen tauschen beispielsweise. Das Paradies unserer Vorfahren.

Zeit schmeckt im Auge wie Wüstensand

Langsam rieselten mir die Sekunden knospender Zeit durch die Finger; verblühten, schon bevor sie den Boden erreichten.

Glückskekse unter ferner Sonne

Mirindas mächtiger Busen in der weit ausgeschnittenen Bluse wogte weit über den schmalen Tresen und zündete dem Gast am kleinen Tisch vorne eine Stehlampe an, während sie genüsslich am frisch entzündeten schwarzen Zigarillo sog.

Vor dem kleinen Cafe flirrte bereits die Hitze als es den ersten Strahlen der frühen Mittagssonne gelang, sich bis vor die Theke zu stehlen und kleine farbige Kleckse auf den am Morgen vom schmächtigen Kellner nachlässig gewischten Boden zu malen.

Ein lausig schöner Tag, dachte Miranda leicht aufseufzend, sich kurz an der wolligen Möse kratzend, bevor sie dem einsamen Gast vor ihr einen weiteren Kaffee brachte.

Meditation am Morgen

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - wer zu früh kommt, den die Frau.

Kurz und sündig

Schmiede das Eisen und liebe deinen Nächsten solange er warm ist.

(Lesen Sie demnächst an dieser Stelle die Klageschrift gegen den Abriss einer unbemannten Bushaltestelle mit dem vielversprechenden Titel »Warten auf dem Klo«)

Der Zipfel am Ende der Wurst

»Eine Riesensauerei ist das«, empörte sich der wasserscheue Paläontologe Walter Lurch (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Showmaster Lou van Burg), als ein alkoholisierter Baggerführer aus Hessisch-Nassau bei Ausschachtungsarbeiten für eine neue U-Bahnlinie zwischen Leer und Emden auf einen nahezu unversehrten Riesenschnürsenkel aus der späten Kreidezeit pinkelte, in dem noch der Stiftzahn eines Tyrannosaurus rex steckte.

»An dem hat er sich wohl die Zähne ausgebissen«, mutmasste sich der Experte eins, ehe er mit bereits fest stehendem Glied zu einem Kurzaufenthalt in die wüste Gabi abreiste.

Mein ist die Rache spricht der Herr

Zu der Zeit als ich Simmel las, galt er für die Feuilletons noch als besserer Groschenheftautor. Doch tatsächlich war sein Roman »Bis zur bitteren Neige« geschrieben von einem göttlichen Sämann. Das fällt mir immer mal wieder ein, so auch jetzt im Moment. In einem guten Moment in dem an guten Momenten schon so reichen Jahr 2006.

10
Jan
2006

Und immer lockt die Wirklichkeit

Heute ist der grosse Tag. Steve Jobs, oberster Guru aller Appleianer, verkündet seinen Jüngern, also auch mir, die alljährlich frohe Botschaft über deren Inhalt schon seit Monaten gerätselt wird.

Leider wird die Keynote in diesem Jahr nicht live übertragen. Selbst wenn man kein Applefan ist, es ist einfach nur sehens- und bestaunenswert, wie Steve Jobs neunzig Minuten lang in einer perfekt inszenierten Mischung aus Unterhaltung, Produktneuvorstellungen und Heilsverkündungen seine Anhänger in den Bann zu ziehen vermag. Wenn er sein berühmtes Reality Distortion Field aufzieht, das zu verlassen auch noch Stunden nach dem Ende von Jobs Rede nicht leicht fällt. Daneben ist seine Art des Vortrags, sich und seine Firma darzustellen ein Musterbeispiel überzeugendenden Auftretens.

Ich bewundere Jobs sehr, nicht nur des RDF wegen, schliesslich kann er daneben schier unglaubliche Leistungen vorweisen. Er ist eines meiner wenigen Vorbilder.

Zurück aus der Traumwelt

Wie ist das eigentlich in einer Welt zu leben, in der man sich einen stinknormalen englischen Begriff als Marke schützen lässt und dann als sein Eigentum betrachtet, welches man nun mit Klauen und Zähnen glaubt verteidigen zu müssen? Denn sein Eigentum muss man ja schützen. Ist es nicht so?

Neues aus der Welt der Wunder

Ja, ich gebe es zu ich bin fromm geworden. So wie weiland im Jahre 30Zwetschgenkuchen nach Christus der Saulus bei Damaskus vom Blitz getroffen vom Pferd stürzte und sich zum Paulus wandelte, so traf mich ebenfalls die Erleuchtung beim Sortieren meiner fünfzehn auf Vorrat gekauften Nudelpackungen. Richtig hammermässig kitzelte mich die Feder der Erleuchtung als sich das Grab mit heisser Luft unter meinem Elektroherd öffnete, sie zu mir emporstieg und mir riet meinen Kühlschrank zu öffnen.

Ich öffnete wie geheissen den Kühlschrank, in dem einsam ein vertrocknetes Brötchen vor sich hin schimmelte, das dem Brötchenkorb vor Urzeiten entsprungen und damit dem sicheren Tod im Magen eines meiner künftigen sicher zahlreichen Kinder entging.

Mich erblickend, begann das Brötchen zu leuchten, blieb vor mir in Augenhöhe schwebend in der Luft stehen und flüsterte mir zu »Gesegnet seist du mit einem Wimpernschlag. Du und dein gaul den ich dir heute noch vorbeisende, der aus einer schlimmen Ehe mit einer Eselin entkam. Er wird fliegen können wie der Osterhase und der Weihnachtsmann und er wird dich lieben für immer.« Ich dankte dem Brötchen artig für seine Prophezeiung, das sich daraufhin mit ziemlichen Getöse in eine leere Dose Büchsenmilch verwandelte und mir noch zurief »Alles wird gut!« ehe ich sie ökologisch korrekt entsorgte.

Grübelte dann noch lange, was mir das Brötchen wohl hatte sagen wollen, ehe ich wieder wie üblich und aus Versehen in mein Waschbecken pinkelte, und mich anschliessend auf ein Stündchen in meinen Briefkasten zurückzog und mit meinen dort lagernden unbezahlten Rechnungen ein kleines Schwätzchen hielt, da mir das Geheul meiner Nachbarin, ihr üblicher Kontakt mit ihren Verwandten auf dem Saturn, einmal mehr fürchterlich auf den Sack zu gehen begann.

(Lesen Sie in einer der nächsten Folgen, wie meine Schreibtischlampe einmal zum Drachen mutierte und anschliessend in einem Anfall von Übermut die unter meinem Fenster beginnende Hölle aufzumischen versuchte.)

9
Jan
2006

Aufbruch zu neuen Ufern

Manchmal da dachte Konrad, was er doch für ein wichtiger und bedeutender Mann sei, weil sich so viele um ihn bemühten und ihm Gutes tun wollten.

Doch instinktiv war ihm klar, alle seine Freunde mochten ihn, weil er sich stets so angepasst, lieb und so überaus sexy zeigte. Ein ganzer Kerl, der niemandem weh tat und keine Gelegenheit ausliess Gutes zu tun.

Sein Hobby, auf einer Laienbühne zu schauspielern brachte ihm viel Lob und Anerkennung ein. Was niemand wusste und das ist fast ein etwas zu trauriger Schluss -- er hatte gelernt perfekt zu schauspielern, zu einer Zeit, als er glaubte nur so könne er sich das Überleben sichern. Weil das schon in frühester Kindheit geschah, vergass er es lange Zeit selbst und Theater spielen wurde ihm zur zweiten Natur.

Erst als er der Frau begegnete, die ihn aufrichtig liebte konnte er sein wahres Wesen zeigen und fortan die Maske auf- und absetzen wie es ihm beliebte. Das Leben ist schön.

8
Jan
2006

Sonnenstrahlen in der Dunkelheit

Auf der Tanzfläche oben am von Nebel und der Dunkelheit des Unbewussten umhüllten Berggipfels tanzt der Tod, im weissen Brautkleid, sein Knochengesicht unter schwarzer Kapuze zeigend, mit dem Bräutigam im schwarzen Frack.

Ich sitze frei aufrecht am Rand der Tanzfläche am Boden, beobachte unendlich erleichtert und schweigend den Hochzeitstanz der beiden Gespenster und wie sie von lebensbedrohlichen Dämonen zu simplen Arschlöchern mutieren. Ihre dicken Backen rhythmisch im Takt einer imaginären Musik öffnen und dabei ihre ausgeweiteten, scheisseverschmierten Arschlöcher freilegen; dem still erheiterten Betrachter ihre wahre, harmlose Natur zeigen.

Hinter mir erstreckt sich die weite, sonnenbeschienene, grüne Ebene und am Horizont verheisst die noch in den zarten Dunst des beginnenden Sommermorgens gehüllte Bergkette, Schutz zu gewähren dem fruchtbaren, friedlichen Land, das zu ihren Füssen meiner harrt.
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